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Die Chronik Alt-Blankeneses bis 1918.





12 vor Chr.:

Die Römer erreichten die Elbe-Mündung. Sie nannten den Fluss Albis und die Gegend beiderseits der Unterelbe Albingia. Wie weit sie die Elbe hinauf fuhren, wurde nicht überliefert.



um 800:

Karl der Große drang in den Sachsenkriegen bis an die Elbe vor; damit begann die Christianisierung des Nordens. Er verlegte Untertanen aus seinen anderen Gebieten in dieses Gebiet, darunter auch Friesen.



um 817:

Gründung der Hammaburg im Mündungsgebiet der Alster, der Keimzelle Hamburgs.



1059:

Erwähnt wurde der 'Sollembergh' zum ersten Mal 1059 in einer Urkunde, weil Erzbischof Adalbert von Bremen dort eine Probstei errichten lassen wollte. "Quem incolae Sollonberg vovant," hieß es. Man vermutet, dass etwa um das Jahr 1050 auf dem 'Sollenberge' eine Burg "zum Schutze gegen Dänen und Wenden" gebaut wurde, welche die wichtige Fährverbindung sichern sollte. Doch schon 1063 soll sie von Bernhard von Sachsen wieder zerstört worden sein.



1099:

Das Kloster Blankenese erhielt im Jahre 1099 Abgaben aus Stade, notierten Chronisten.





1111:

Der Sachsenkönig Lothar von Supplinburg gab 1111 diese Gegend dem Grafen Adolf I. von Schauenburg zum Lehen, womit eine 530 Jahre währende Regentschaft begann.



1219:

Im Jahre 1219 wurde Dockenhuden erstmals urkundlich erwähnt. Es musste den Zehnten an die Domkirche von Hamburg bezahlen.



1227:

Bei der Schlacht von Bornhöved gegen Graf Adolf IV. verloren die Dänen dauerhaft ihre Herrschaft über Holstein, weil die Grenze von der Elbe an die Eider verlegt wurde.



1258:

Eine zweite Burg auf dem Süllberg soll 1258 (vielleicht auch 1260) erbaut worden sein, um Otto von Barmstedt, der in Haseldorf residierte, seine Macht zu nehmen. Doch, glaubt man den vielen Quellen, kann die Süllburg nicht lange bestanden haben.





1301:

Erste urkundliche Erwähnung fand das Fischerdorf Blankenese zwar im Jahre 1301, doch es bestand natürlich schon weit länger.





1350:

In den Büchern der Stadt Hamburg wurde 1350 erstmals eine Reise nach Blankenese erwähnt. Zur gleichen Zeit wurde der Kaufmanns-Zusammenschluss 'Hanse' gegründet.





1401:

Angeblich soll ein Blankeneser Fischer vor Helgoland sein Ruder mit Blei blockiert haben: Klaus Störtebecker wurde so gefangen und gemeinsam mit 73 Kumpanen 1401 auf dem Hamburger Grasbrook hingerichtet.





1460:

Mit der Grafschaft Pinneberg kam Blankenese 1460 an Dänemark, doch nicht als Landesteil, sondern nur vom dänischen König (ab 1640) verwaltet wie ganz Holstein (im Gegensatz zum nördlich der Linie Levensau-Eider gelegenen Landesteil Schleswig, der ein Teil Dänemarks war).



1464:

Dr. Winfried Grützner zählte 1464 acht Bewohner im alten Hangdorf, dabei auch der Fährpächter Titke Rasche.



1480:

Ab 1480 gab es wohl den neuen Erwerbszweig für die Blankeneser, den Transport von Ochsen.



1496:

Rund 8.000 Ochsen wurden 1496 über die Elbe bei Blankenese und Schulau gesetzt.



1528:

In Hamburg und Ottensen wurde die Reformation 1528 eingeführt, so auch in Blankenese mit ihrem Kirchspiel in Nienstedten. Es gab eine Urkunde, welche die Reformation 1561 in ganz Pinneberg amtlich einführte. Diese verschiedenen Daten ließen vermuten, dass der Schauenburger Graf, der auch über die Gegend des katholischen Köln zu gebieten hatte, kein großes Interesse hatte, seinen anderen Besitz der evangelischen Konkurrenz zu übergeben. Er wartete lieber solange es eben ging.



1535:

In einer Urkunde von 1535 wurden die Blankeneser erstmals offziell als Fischer ausgewiesen.





1554:

Für das Übersetzen der Ochsen aus Jütland gab es 1554 vier Prähme von 65 Fuß Länge und 14 Fuß Breite, mit denen bis zu vierzig Tiere übergesetzt werden konnten. Dafür wurde einen Besatzung von je acht Blankenesern gebraucht, was per Rundum-Einsatzplan funktionierte. Zusätzlich wurde für den Personenverkehr und Güter noch ein Fährewer vorhanden.





1568:

Im Jahre 1568 erschien die berühmte Elbkarte von Melchior Lorichs, hier der Ausschnitt von 'Blancke Neeßer Ordt' und 'Blancke Neeß.'Im 16. Jahrhundert klagten die Städte Harburg, Stade, Buxtehude und Lüneburg beim Reichsgericht auf ihr Recht auf freie Schifffahrt über die Süderelbe. Die Hamburger beauftragten daraufhin den Maler Melchior Lorichs, eine Karte der Unterelbe zu erstellen, welche die Bedeutung der Stadt für den Flusslauf hervorheben sollte. Klar, wes Brot ich esse, des Lied ich singe: Im Jahr 1568 wurde diese ein Meter hohe und zwölf Meter lange Karte dem Gericht vorgelegt, die die Süderelbe verkleinert und die Norderelbe vergrößert darstellte. Doch wer hatte damals schon Vergleiche per google-earth?



1583:

Hans Leip erzählte, dass der 1583 erstmals namentlich genannte Fährverwalter Wedemeyer hieß.





1588:

Daniel Frese fertigte 1588 die zweite Blankenese-Karte an, die Pinneberger Landtafel, welche inmitten der blanken Nase einen Flusslauf zeigte.



1590:

Im Jahre 1590 soll die Einwohnerzahl des Hangdorfes vierzig begtragen haben, "alles neue Namen," wie Chronist Dr. Wilfried Grützner notierte.



1609:

Ab 1609 brauchten die Blankeneser zu einer Grundbucheintragung nicht mehr nach Pinneberg zum Landdrosten nach Pinneberg, sondern hatte auch in Wedel im 'Hatzburger Amtsbuch' diese Möglichkeit. Die Hatzburg befand sich wohl in der Gegend von Lülanden



1612:

Der erste Sommersitz eines Hamburgers wurde 1612 in Dockenhuden erwähnt, doch Dr. Winfried Grützner erfuhr, dass der Schauenburger Graf Ernst dies schon im März 1604 an den Hamburger Ratsherrn Eberhardt Esich getan hatte, der den Landsitz an Pepers Diek am Mühlenberger Hang baute.





1614:

Der Graf Ernst von Holstein-Schauenburg (regierte 1601-1622) unterschrieb am 25. Juni 1614 eine Urkunde, die den Blankeneser Prahm- und Fährtleuten jedesmal zwei Tonnen Bier zusagte, allerdings nur, wenn sie sich danach noch ordentlich benahmen. Den Kollegen aus Schulau wurde nur eine Tonne bewilligt.



1616:

Im Jahre 1616 berichtete der Brite John Tylor, dass er wie alle anderen Passagiere der Fähre ("ob arm oder reich, Männer wie Frauen") mit rudern musste. Auch der Bierkonsum der Fährleute mochte ihm nicht gefallen.



1620:

Auf dieser Karte befindet sich 'unser' Blankenese in der Mitte mit der typischen blanken Nase davor, 'Blancke Neeß Ordt' genannt, die direkt in die Mündung der Süderelbe ragt. Altona wurde als Teil der bis dahin schauenburgischen Herrschaft Pinneberg nun dänisch.





1634:

Die Burchardiflut oder Zweite Grote Mandränke war eine verheerende Sturmflut, die in der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 1634 die Nordseeküste verwüstete. Ihr fielen zwischen 8.000 und 15.000 Menschen zum Opfer. Inmitten des Dreißigjährigen Krieges dürfte auch der Namensgeber dieses Dorfes verschlungen worden sein, die weiße Nase vor dem Treppenviertel, auf der bisher das Getier weidete.



1640:

Nachdem der 26jährige Schauenburger Graf Otto IV. 1640 vergiftet worden war (der keine Kinder als Nachfolger hatte), besetzte Christian IV. als Dänenkönig dieses Gebiet schnellstens. Ob er mit dem Mord etwas zu tun hatte? "Wieso konnte er sofort und ohne zeitliche Verzögerung, eine so große logistische Leistung eines spontanen Einmarsches erbringen?" fragte sich Chronist Grützner berechtigt. Damit begann eine 223 Jahre währende Besatzung unter dem Danebrog, denn zum dänischen Staatsgebiet gehörte Blankenese offiziell nie. Im Jahre 1640 wurde die Einwohnerzahl Alt-Blankeneses mit etwa 200 notiert, die sich auf 45 Haushaltungen aufteilten. Davon trugen achtzehn den Namen Breckwoldt.



1656:

Im Jahre 1656 wurde zum ersten Male eine Blankeneser Schulkate erwähnt. Wo diese stand, konnten wir noch nicht klären, doch eine weitere Schule soll an der Elbterrasse 1 gegenüber dem heutigen Fischerhaus direkt am Hang zum Strand betrieben worden sein.



1670:

Während 1670 in Hamburg dreißig und in Altona 18 Schiffe beheimatet waren, waren dies im bedeutenden Blankenese 45. Der Fahrzeugbestand der Blankeneser Fähre setzte sich zu dieser Zeit aus einigen großen Prahmen, einem großen und dem kleinen Ewer sowie einer Jolle zusammen.



1684:

Im Jahre 1684 war die Einwohnerzahl des Dorfes auf 280 Personen gestiegen, was von Chronisten mit 64 Häusern und 70 Haushaltungen notiert wurde. Die Breckwoldts machten zu dieser Zeit etwa ein Drittel aus. Ein alter Weg nach Holland wurde 1694 so angegeben: 'Hamburg - Blankenese - Horneburg - Kloster Zeven - Ottersberg - Bremen.' Blankenese also mit Hamburg gleichwertig.









Das 18. Jahrhundert:



1710:

Im Jahre 1710 soll man in Blankenese mit der Hochseefischerei begonnen haben.



1719:

Im Jahre 1719 lag die Einwohnerschaft bei 700 (von 200 noch siebzig Jahre zuvor). Der Heimatforscher Richard Ehrenberg notierte dafür "101 Häuser und 151 Haushaltungen."




1721:

Auf der Karte von Zimmermann-Hansenbanck von 1721 versperrte zwischen 'Blanckneße' und Cranz der breite 'Blankneßer Sand' die ungehinderte Durchfahrt. Auf dieser Karte ist auch die Distanz zwischen beiden Dörfern zu erkennen. 'Nienstädten' wirkt schon fast näher als Dockenhuden. Auch 'Tinsdorff' nach Westen ist nicht viel weiter ...



1722:

Der Landdrosten Otto Carl Graf von Calleberg erließ 1722 eine Schulordnung für die Herrschaft Pinneberg, zu der auch Blankenese gehörte.



1731:

Im Jahre 1731 wurde die Holztreppe zum Fährhaus zum ersten Mal erwähnt. Bis zu dieser Zeit dürfte das Geschäft mit dem Ochsentransport gegangen sein, denn nun gab es die eingedeichten Marschwiesen in Schleswig-Holstein. Seit einger Zeit wurden dafür mehr Poststücke zwischen Hamburg und Amsterdam über die Elbe transportiert.



1736:

Ab 1736 soll es wohl eine Schulpflicht gegeben haben, die jedoch nur von Michaelis (29. September) bis Ende März galt, weil die Kinder sonst helfen mussten.



1740:

Insgesamt sechzig Fischewer gab es hier im Dorfe.



1745:

Am 26. August war die Gruft (Grube) dermaßen ausgewaschen vom Regen, dass Fährverwalter Müller seine Herrschaft untertänigst bat, eine Reparatur mit Busch und Heide zu gebieten, weil die Kante abzubrechen und die mindestens viermal verkehrenden Postwagen nach Bremen umzukippen drohten.



1750:

Im Jahre 1750 gab es in Blankenese 70 Schiffe und bereits zwei Schulen bei einem Schulgeld von 26 Schillingen.



1751:

Am 16. Mai 1751 wurde die Nienstedter Kirche eingeweiht, der sechste Kirchenbau seit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1297. Bis zum Bau der evangelischen Kirche gingen die Blankeneser hier zum Gottesdienst. Auch der Friedhof lag hier bis 1904.



1763:

Ab 1763 soll es eine Westerschule am Schulten-Immenbarg (heute etwa No. 10, so Wilfried Grützner) gegeben haben.





1764:

Bereits 1764 waren weitere vierhundert Menschen in Alt-Blankenese wohnhaft (160 Häuser mit 255 Haushaltungen). Zu dieser Zeit wollten Altonaer Kaufleute einen Hafen in Blankenese anlegen.



1766:

Im Jahr 1766 soll die Treppe zum Fährhaus bereits aus Stein bestanden haben.



1773:

Bis 1773 nutzte die fahrende bzw. reitende Postlinie Hamburg-Altona-Bremen-Amsterdam die Blankeneser Fähre.



1780:

Immer mehr reiche Kaufleute aus Hamburg und Altona bauten ab 1780 Landsitze entlang der Elbe bis Blankenese und lebten hier über die Sommerzeit. Am 28. Januar 1780 hatten die Dorfbewohner zwölf Delegierte (Johann Breckwoldt, Claus Stehr Ratjens, Cristoffer Baatmann, Thies Stehr, Jürgen Schult, Thies Pieper, Freck Breckwoldt Hei, Albert Behrmann, Hans Pieper, Freck Breckwoldt Puspas, Hinrich Riebeling und Broder Jansen) und drei 'Dorfs-Gevollmächtigte: Jochim Mewes, Geerd Bohn und Johann Hinrich Lindeman gewählt und zeigten dies dem Vogt Harm Dietrich Struve an. Christoffer Harrenthee bat man zu entlassen. Das hörte sich ziemlich demokratisch an.



1785:

Ein Streit mit den Neumühlenern und Oevelgönnern, die schon länger als die hiesigen Lotsen im Geschäft waren, endete 1785 mit der behördlichen Anordnung, dass von den fünfzig holsteinischen Hauptlotsen zehn in Blankenese wohnen durften.



1786:

Im Jahre 1786 konnte Caesar Goddefroy IV den ehemaligen Landbesitz des niederländischen Kaufmanns Berend Johann Rodde ersteigern. Der Preis: 33.100 Courantmark oder 22.000 Bankomark.



1787:

Insgesamt 140 Fischewer hatten Blankenese als Heimat, Heimathafen konnte man ja nicht sagen, weil es keinen gab.



1789:

Im Jahre der französischen Revolution legte Godeffroy den Grundstein für das großbürgerliche Leben an der Elbe, indem er den 33jährigen dänischen Landesbaumeister Christian Frederik Hansen mit seinem ersten Privatauftrag bedachte, dem viele folgen sollten.





1790:

Im Jahre 1790 entstand die erste offizielle Karte von Blankenese, auf der die Besitzer der einzelnen Grundstücke aufgeführt waren in 'Blankeneser' und 'Auswärtige'.





1792:

Im Jahre der Vermählung von Caesar VI und Antoinette Godeffroy konnte das Landhaus am späteren Hirschpark bezogen werden. Auf dem für 12.000 Courantmark gekauften Nachbargrundstück ließ sich Großonkel Pierre G. von Hansen ein einfacheres Landhaus ohne Seitenflügel bauen, uns heute als 'Weißes Haus' bekannt, das 40.000 Bankemark gekostet haben soll, wie Gabriele Hoffmann erforschte.





1794:

Der Schleswigsche Major von Varendorf bezeichnete den Überweg über die Elbe als 'Bremesche Post-Fehre' und zeichnete den 'Blankeneser Sand' inmitten der Elbe in seine Karte ein. Die Süderelbe kam erst mit der Este in das Mühlenberger Loch. Seit 1794 hieß die Besitzung Polterberg nun Kösterberg nach dem Besitzer H. J. Köster.





1795:

Bereits 1795 war die Einwohnerschaft bereits auf 1.500 Menschen (193 Häuser, 347 Haushalte) angewachsen, also eine rasante Vermehrung. Blankenese ernährte trotz seines dürren Sandbodens weit mehr Leute als die Gemeinden Dockenhuden (etwa ein Viertel von Blankenese) oder Nienstedten. Durch die französische Besetzung Hollands wurden mindestans 14 der dortigen Frachtschiffe zum Schein auf das Kennzeichen 'SB' (Schleswig-Blankenese) umgemeldet, um mit dem neutralen Danebrog fahren zu können. Es ist zu vermuten, dass die friesischen Verwandten gleich hier mit wohnten bei ihren Schiffen. Gosslerhaus und Gosslers Park:Nördlich der Blankeneser Landstraße baute Christian Frederik Hansen 1794/95 einen griechischem Säulenpalast im Stile des Partenon von Athen für John Blacker. Um Kosten zu sparen, bestanden die imposanten Säulen aus Baumstämmen, die mit Stroh ummantelt wurden, was die Maurer dann schick verputzten.



1796:

Im Jahre 1796 wurde die Blankeneser Witwenkasse geründet. Der dänische Minister Graf Bernstorff beantragte 1796 die Aufhebung der Leibeigenschaft, was zuerst von den Grafen Rantzau-Breitenburg, Reventlow-Altenhof und Bülow-Bothkamp aufgehoben wurde.



1798:

Am 29. März 1798 wurde die Blankeneser Lotsenbrüderschaft gegründet, die anfänglich aus zehn Lotsen bestand.



1799:

Am 16. Januar 1799 erwarb der Kaufmann Henry Simon den Süllberg. Im gleichen Jahre kaufte der Direktor der Gothaer Versicherung, Rütger Heinrich Klünder, das Gelände auf dem Kiekeberg, um einen Landschaftsgarten anlegen zu lassen, in den er ein stattliches Haus stellen ließ, wo heute die Kiekeberg-Wohnanlage steht.









Das 19. Jahrhundert:


1801:

Im Jahre 1801 kam der größte Einnahmeposten der gesamten Grafschaft Pinneberg aus den Bergungen vor Blankenese. Ob da auch mal ein wenig nachgeholfen wurde?



1802:

Auf dem kahlen Schwalkenberg entstand aus vier Teilen (1802, 1812, 1815 und 1817) der Baurs Park.



1803:

Zwischen Juni 1803 und August 1807 gab es eine Blockade der Elbe. Die Waren für das Gebiet von Altona/Hamburg konnte nur über den Hafen Tönning an der Eidermündung abgewickelt werden, weil sich dieser innerhalb des dänischen Gesamtstaates befand, der neutral war. Die Einwohnerzahlen von 1803: 2.091 in Alt-Blankenese und 514 in Dockenhuden.



1805:

Im Jahre 1805 wurde die Besitzung Kösterberg an Jan Koopman verkauft. In ganz Holstein wurde die Leibeigenschaft aufgehoben.



1806:

Im Jahre 1806 waren in Blankenese 172 Fischewer beheimatet, eine beachtliche Flotte für dieses kleine Dörfchen am Hang. Am 19. November hatten Napoleons Genäle das verfeindete Hamburg und sein damaliges Stadtgebiet mit ihren Truppen besetzt, während das benachbarte dänische Gebiet zu ihm gehalten hatte und somit frei blieb. Doch den rund 50.000 Hamburgern standen zeitweise an die 40.000 Soldaten (teils auch Italiener) gegenüber, was es nötig machte, diejenigen Hamburger aus der Stadt zu jagen, die nicht über genügende Mengen an Verpflegung und Brennstoff verfügten. Diese gingen in die Nachbarschaft, also auch nach Blankenese. Doch es sollte schlimmer kommen: Der Korse hatte am 21. November 1806 (bis 1814) nach der Niederlage von Trafalgar und einer englischen Seeblockade eine Kontinalentalsperre erlassen, die den Blankenesern das Erliegen ihrer Schiffahrt einbrachte. Sie verlegten sich also auf die Schmuggelei mit englischen Waren, was jedoch zunehmend schwieriger wurde. Ronald Holst erkannte damit auch eine Änderung der Architektur im Elbdorf, denn die zweistufigen hohen Dielen wurde nun nicht mehr zum Trocknen der Netze gebraucht.


1807:

Als Dänemark nach dem englischen Überfall auf Kopenhagen 1807 mit Frankreich ein Bündnis schloss, wurde die dänische Flagge, unter der auch die Blankeneser fuhren, von den Briten verfolgt, was ein Erliegen der Fischerei in der Nordsee mit sich brachte. Im (zweiten) Mailänder Dekret vom 17. Dezember 1807 modifizierte Napoléon Bonaparte seine Anordnung der Kontinentalsperre. Letztere bezweckte, dass kein europäisches Land mit dem gegnerischen Großbritannien Handel treiben sollte. Das Dekret von Mailand war eine Reaktion auf zwischenzeitliche britische Bestimmungen und legte fest, dass alle Schiffe, die von einem britischen Zollschiff durchsucht worden seien, Häfen im Vereinigten Königreich oder in von ihm besetzten Ländern angelaufen hatten, der britischen Regierung Zoll gezahlt hätten, ungeachtet ihrer Nationalität wie britische Schiffe behandelt werden sollten. Dies bedeutete faktisch, dass die Ladung eines solchen Schiffes beschlagnahmt werden sollte. Diese napoleonische Anordnung ermächtigte französische Kriegsschiffe und auch Kaperschiffe (Privateers), solche Schiffe aufzubringen und die Konfiskation durchzuführen. Die nervösen Dänen wollten den Schmuggel zur Umgehung der Kontinentalsprerre unterbinden und erlaubten die Blankeneser Fischerei nur noch in geschlossenen Verbänden, wofür sie besonders vertrauenwürdige Befehlshaber ernannten. Diese Zeit schien den Bewohnern des hiesigen Dorfes eine besondere Mentalität eingebracht zu haben, mit den Wünschen der Obrigkeiten sehr freiheitlich, innovativ und stolz umzugehen.



1808:

Im Jahre 1808 wurde die Dockenhudener Schulkate (heute Schlachterei Meinert, Kosten 2.300 Mark) erbaut, die 1888 (andere Quellen 1890) durch die Schule an der heutigen Frahmstraße ersetzt wurde.



1809:

Im Jahre 1809 wurde eine Versicherungskasse für Fischereifahrzeuge für die Orte Blankenese, Mühlenberg und Teufelsbrücke gegründet, die sogleich 59 Mitglieder hatte.





1810:

Im Jahre 1810 waren normale Häuser mit durchschnittlich 340 Thalern versichert, was Heimatforscher Richard Ehrenberg mit dem Wert eines Fischewers verglich. Die wertvollsten Häuser besaßen Heinrich Klünder mit 6.900 und Cornelius de Vos mit 6.500 Thalern. Im Vergleich dazu waren die Anwesen von John Parish in Nienstedten 14.800 sowie in Dockenhuden John Hutchinson 13.500 und Joh. Cäsar Godeffroy 8.000 Thaler wert.





1811:

Im Jahre 1811 wurde das Einkommen des reichsten Blankenesers, David Pieper, mit 1.166 Thalern beziffert, doch die meisten Einwohner waren arm. Darunter viele Witwen der auf See gebliebenen Schiffer. Hein Lange rüstete einen Kaperkutter aus und fuhr mit offziellem Kaperbrief gegen die Engländer und deren Verbündete.



1813:

Mit der Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 19. Oktober 1813) als Entscheidungsschlacht der Befreiungskriege änderte sich auch das Leben in Blankenese. Schweden wurde zu der Zeit von Jean-Baptiste Bernadotte (dem späteren König Karl XIV. Johann) regiert. Sein Ziel war es, nach dem Abschluss eines Bündnisses (mit Großbritannien, Russland und Preußen) von Dänemark das bis dahin ebenfalls vom Danebrog dominierte Nachbarland Norwegen zu erhalten. Zu diesem Zweck marschierte seine Nordarmee am 1. Dezember 1813 über die Elbe bei Boizenburg in Holstein ein. Schon vorher war die seit 1806 von Napoleon besetzte freie Reichsstadt Lübeck befreit worden. Nach den Gefechten bei Bornhöved am 7. Dezember zog sich Dänemark aus Kiel zurück, das Bernadotte daraufhin zu seinem Hauptquartier machte, von wo aus er seinen Zermürbungskrieg gegen Dänemark weiter führte.





1814:

In der schleswig-holsteinischen Bevölkerung ging dieser Winter als 'Kosakenwinter' in die Geschichte ein, weil der Schwede Bernadotte auch über ein schlagkräftiges Freicorps von russischen Kosaken-Reitern verfügte. Diese Truppen der Alliierten wurden auch in Blankenese und den umliegenden Dörfern einquartiert, womit auch die Bewohner schwer hungern mussten. Als 'Frieden von Kiel' bezeichnete man den am 14. Januar 1814 im damals dänischen Kiel geschlossenen Vertrag zwischen Schweden, Großbritannien und dem im vorangegangenen Krieg unterlegenen Dänemark. Der Frieden von Kiel wurde während der Napoleonischen Kriege geschlossen, weil König Frederik VI. von Dänemark Frankreich unterstützt hatte. Auf Druck von Schweden und Großbritannien hatte es der Koalition gegen Napoleon beitreten müssen. Als Folge der Verhandlungen schied Norwegen aus der Personalunion von 1380 mit Dänemark aus und fiel an den König von Schweden (der so den Verlust Finnlands an Russland von 1809 kompensieren wollte). Die einst norwegischen Besitzungen Grönland, Island und die Färöer verblieben bei Dänemark; Schwedisch-Pommern gelangte für kurze Zeit in dänischen Besitz. Helgoland hingegen blieb bei den Briten. Hier in Blankenese brannte am 15. Juni 1814 das halbe Dorf ab, 102 Wohnungen wurden zum Raub der Flammen. Ob es it den Kosaken zu tun hatte, die bestimmt gut feiern konnten? 1814 soll auch die erste Kahlkampschule (Kahlkamp No. 7) gebaut worden sein.



1816:

Im Jahre 1816 passierte das erste Dampfschiff das Elbdorf, die 'Lady of the Lake'.





1820:

Auch wenn Blankenese vom Landdrosten aus Pinneberg regiert wurde, gab es dort an der Pinnau erst 900 Einwohner, während hier in unserem 'Dörfchen' an der Elbe bereits 2.200 Menschen in 274 Häusern lebten. Im Jahre 1820 brannten nochmal 23 Wohnungen ab, so dass nicht besonders viel von den ursprünglichen Häusern nachgeblieben war.





1822:

Zwar betrug die Anzahl der Ewer im Jahre 1822 schon wieder 162, doch diese wurde meist zur Frachtfahrt eingesetzt statt zur Fischerei.



1825:

Am 3. Februar 1825 wurde erstmals eine große Sturmflut gemessen, die 5,24 m über NN erreichte.





1826:

Bis 1826 war das Fährhaus ein Bauerngehöft mit Gaststätte gewesen, das schon viele Jahrhunderte hindurch bestanden hatte. Dann brannte es ab (wie zehn weitere Häuser) und wurde vom dänischen Fiskus wieder aufgebaut und nun 'Fährkrug' genannt. Diesen pachtete Peter Georg Hansen, der später den Süllberg kaufte.



1830:

Ab etwa diesem Jahr begannen die Blankeneser damit über die bisherig weitesten Häfen in Le Havre, Irland, Island, Drontheim und St. Petersburg hinaus nach Aufträgen zu suchen. Dazu gehörten die sogenannten 'Fruchtjäger', die in England Kohle für Sizilien luden, um von dort Vitamine zurück zu bringen. Erste Fruchtjäger, als Galeassen gebaut und bis zu 2.000 Kisten fassend, betrieben H. Breckwoldt ('Freund Georg') und H. Tampke ('Landdrost von Döhring'). 1830 baute von Ole Jörgen Smith aus Dänemark die Villa Baur.



1832:

Ab 1832 wurde von der flachbodigen Ewer-Bauart zu schärferen, auf Kiel gebauten Schiffen wie Schaluppen und ein wenig später Schoner gewechselt, die typisch für hiesige Schifffahrt wurden. Schon brauchte so eine Fahrt nur noch 25 bis 30 Tage, die Südfrüchte verdarben damals noch schnell.





1834:

Im Jahre 1834 schuf der Bildhauer Winck das bei der Carlshütte in Büdelsdorf gegossene Gitter als Abschluss der Flaniermeile unterhalb Baurs Park. Wer einen Schlüssel (und das sollen an die hundert gewesen sein) besaß, durfte auf dem Privatgrund promenieren. Im gleichen Jahr wurde der Kösterberg von Maria Völckers erstanden, die auf dem nahezu baumlosen Gelände eine vielbesuchte Gastwirtschaft einrichtete. Zwischen 1834 und 1849 war dort eine Station des optischen Telegrafen Hamburg - Cuxhaven eingerichtet, der die Ankunft eines Schiffes von großer Fahrt melden konnte. Eine großartige Erfindung.





1835:

Im Jahre 1835 war die Zahl der Blankeneser Ewer bereits auf 94 zurückgegangen.



1836:

Die erste Apotheke in Blankenese wurde 1836 an der Elbchaussee eröffnet, weil Herr Baur nicht immer nach Altona fahren wollte.





1837:

Am 27. Juli 1837 ging der Süllberg für RM 850,- Courant an Peter Georg Carl Hansen über, der zuvor den Fährkrug oberhalb des Bulln als letzter Pächter betrieben hatte. Das war offensichtlich so gut gelaufen, dass er erstmals einen offziellen Milchausschank auf dem Süllberg eröffnen konnte, dem schon am 20. Oktober ein Holzpavillion folgte, während die dörfliche Einwohnerzahl in diesem Jahr auf stattliche 2.100 Menschen gestiegen war. Gleichzeitig kaufte Peter Mohrmann den Fährkrug, wo auch eine umfangreiche Viehwirtschaft betrieben wurde.



1838:

Ab 1838 gab es endlich schriftliche Bedingungen für den gegenseitigen Versicherungsverein für die in Blankenese, Mühlenberg und Teufelsbrücke "eigentümlichen Schiffe, andere wurden in den Verein nicht aufgenommen."





1840:

Die Bevölkerung Blankeneses war 1840 bereits auf 2.700 angewachsen, die in insgesamt 433 Häusern wohnten. Klünders kauften 1840 den Westteil ihres Parks, später Hessepark genannt.





1841:

Im Jahre 1841 wurden 310 passierende Schiffe vor Blankenese notiert. Hatten sich die hiesigen Schiffer bei dahin auf Europa beschränkt, kam nun die Südamerikafahrt auf, deren einer der ersten Vertreter Hein Kröger mit seiner Schonerbrigg 'Maria' war. Auch Johann Schade ('Spera'), Peter Breckwoldt ('Juno') und Carsten Stehr (Neptunus') gehörten dazu.





1842:

Als 1842 ein regelmäßiger Passagierdienst von Hamburg aus eingerichtet wurde, legte man ein ausgedientes Fischereifahrzeug als Anleger in den Strom. Man erzählte sich, dass dieses durch seine gedrungenen Form wie ein Bulle gegen den Strom stemmte, so dass es den Oekelname 'Bulln' erhielt. Die darauf befindliche Wirtschaft sollen Jan Hollander und Hans Lange betrieben haben, während man sich erzählte, dass es eine Gastronomie erst auf dem zweiten Bulln gab, einem ausgedienten dänischen Kanonenboot. Sorry, ich weiß es nicht genau und war nicht dabei ...



1843:

Im Jahre 1843 waren hier im alten Dorfe insgesamt 243 Schiffe beheimatet (Hamburg 214, Altona 30, Bremen 227), also ein wirklich bedeutende Flotte.





1846:

Bereits 1846 musste mit den ersten Elbausbaggerungen begonnen werden. Per Dampfbagger wurde der Fluss bis auf eine Tiefe von 4,30 m freigehalten.





1848:

Hier einige Dinge, die mittelbar auch mit der Geschichte dieses Dorfes zu tun hatten: Friedrich VII. Karl Christian war der zweite und älteste überlebende Sohn (sein älterer Bruder starb am Tag seiner Geburt) von Christian VIII. von Dänemark und dessen Gemahlin, Prinzessin Charlotte Friederike von Mecklenburg-Schwerin. Am 20. Januar 1848 trat er die Nachfolge seines Vaters an. Als König folgte er bald dem Wunsch der Liberalen, eine Gesamtstaatsverfassung für die ganze Monarchie mit Einschluss Schleswigs und Holsteins ausarbeiten zu lassen. Die politische Unruhe wurde durch die Februarrevolution in Paris verstärkt. Da sich die nationalen Beziehungen zwischen den Deutschen und Dänemark verschärft hatten und namentlich die Stellung des Herzogtums Schleswig zwischen beiden nationalliberalen Gruppierungen umstritten war, eskalierte der Konflikt im März 1848, worauf der dreijährige Bürgerkrieg ausbrach, der in Schleswig-Holstein 'Erhebung', in Dänemark 'Aufruhr' genannt wurde. In diesem Jahr der ersten frei gewählten deutschen Nationalversammlung, die unter dem Veranstaltungsort 'Paulskirche' bekannt wurde, erhoben sich die Holsteiner gegen die dänische Herrschaft und pflanzten überall dazu im Lande Doppeleichen als Symbol für den Zusammenhalt von Schleswig und Holstein (Slogan "Up ewig ungedeelt"). So auch am heutigen Markplatz in Blankenese, der eigentlich offiziell Lornsenplatz heißt, wo heutzutage an dieser historisch wichtigen Stelle Blankeneses zusätzlich noch ein Gedenkstein steht (und vor einigen Jahren auch ein Antikriegsdenkmal). Der Sylter Landvogt Uwe Jens Lornsen war durch seine Schriften zur Verfassung von Schleswig und Holstein zum Helden der Erhebung geworden. Doch sie wurde niedergeschlagen, weil die Preußen international gezwungen wurden, nicht einzugreifen und den Holsteinern nicht zu helfen. Der Paulskirchen-Wunsch nach Demokratisierung wurde bald von den Bestrebungen nach der Errichtung möglichst einheitlicher Nationalstaaten überlagert.



Am 14. August 1848 gerieten sich deshalb zehn Blankeneser ('Rochenknieper') nach einer feuchtfröhlichen Fischerkassenversammlung mit den Dockenhudenern in Streit und verwüsten dabei den Süllberg. Hintergrund waren die Meinungsverschiedenheiten der 'Parajotten' (Patrioten) Dockenhudens, die eine Befreiung von Dänemark wollten, während die 'Fieten' (Friesen) sich unter dem Schutz des Danebrogs auf See wohl fühlten. Die Kriegsparteien waren einerseits die deutsche nationalliberale Bewegung in den Herzogtümern Schleswig und Holstein im Bündnis mit den meisten Staaten des Deutschen Bundes, andererseits das Königreich Dänemark. Der anschließende Bürgerkrieg kostete mehrere Tausend Tote (die meisten in der entscheidenden Schlacht bei Idstedt, 25. Juli 1850). Die dänische Bezeichnung war 'Dreijahreskrieg' (Treårskrigen), woraus die Dänen siegreich hervorgingen. Der Krieg konnte bei einigen Unterbrechungen erst Anfang 1851 beendet werden. Nach einer internationalen Übereinkunft, die im 'Londoner Protokoll' vom 8. Mai 1852 festgehalten wurde, wurde Prinz Christian von Glücksburg endgültig zum Thronfolger in der ganzen Monarchie ernannt. Herzog Christian August von Augustenburg aus der ältesten Nebenlinie des Königshauses wurde wegen seiner Rolle bei der Eskalation des Konflikts des Landes verwiesen, musste seine Güter verkaufen und auf alle Thronansprüche verzichten. Auch wurde festgehalten, die Herzogtümer als eigenständige Einheiten zu belassen und Schleswig verfassungsmäßig nicht enger an Dänemark zu binden als Holstein. Außerdem wurde eine Thronfolgeregelung bestimmt, die die dynastische Vereinigung der drei skandinavischen Königreiche verhindern sollte. Die Großmächte Großbritannien, Frankreich, Russland, Preußen und Österreich sowie den beiden Ostseemächten Schweden und Dänemark wollten vor allem sicher stellen, dass der wichtige Kriegshafen Kiel nicht in preußische Hände fiel und Dänemark eine Garantie für sein Territorium erhielt. Während die Revolution in den Herzogtümern einstweilen scheiterte, war sie im Königreich selbst erfolgreich: Das Staatsgrundgesetz vom 5. Juni 1849 stellte die dänische Verfassung auf entschieden demokratische Grundlagen und ist bis heute die Grundlage des dänischen Grundgesetzes. Persönlich kümmerte sich König Friedrich wenig um die Politik und überließ als konstitutioneller König die Staatsleitung ganz den neuen nach dem Ministerialsystem organisierten Regierungen, in denen sich nationalliberale Eiderdänen und konservative Gesamtstaatspolitiker die Waage hielten. Obwohl gerade seine Passivität den Systemumschwung möglich machte, wurde er seither als 'Geber des Grundgesetzes' in Dänemark verehrt, und sein Denkmal steht bis heute auf dem Vorplatz des dänischen Parlamentsgebäudes in Schloss Christiansborg. Blankenese gehörte also weiterhin zu Dänemark. Ab 1848 wurde auch die erste Fährverbindung nach Cranz, Estebrügge, Buxtehude sowie nach Hamburg eingerichtet.





1849:

Auf der Karte von 1849 zeigte sich der 'Böhaken' vor Blankenese groß und mächtig. In den Jahren 1848 und 1849 starben Rütger Heinrich Klünder und seine Frau Friederika, deren Erben die großen Besitzung an den Kaufmann Hermann Christoph Wilman (Ostteil) und Hermann Günther Jochheim verkauften.



1850:

Ab 1850 wurde ein Busverkehr ('Dame Blanche') nach Altona eingerichtet (den der Posthalter betrieb), und am 1. Juni des gleichen Jahres wurde das erste Postamt Am Kiekeberg No. 12 eröffnet. Später siedelte man in die Bahnhofstraße No. 7 um und danach an die Elbchaussee No. 6. Im Jahre 1850 kaufte Dr. K. F. Nagel das heidebewachsene Gelände Sprützenberg westlich der Westerstraße von R.H. Klünder für tausend Mark. Im gleichen Jahr wurde das Zollhaus am Strandweg gebaut, aus dem Max Ostermann später die 'Elblust' machte.



1851:

Bei einer Schülerzahl von 140 Schülern in der Oberklasse und 190 in der Elementarklasse erhielt der Lehrer am Kahlkamp eine Hilfe.



1852:

Im Jahre 1852 konnte Dr. K. F. Nagel als Dank seines Patienten G. F. Baur auch noch das fünfmal so große Grundstück Achtern Schierenholt für günstige 400 Mark Curant erwerben. Bereits 752 Schiffe passierten das Elbdorf. Die Besatzung der Blankeneser Handelsflotte betrug nicht weniger als 1.500 Mann, denn damals war fast jeder männliche Einwohner im Alter von 15 bis 50 oder gar 60 Jahren entweder Seemann oder Fischer.



1853:

Im Jahre 1853 wurde auf Betreiben der Reeder und Kaufleute Sloman und Godeffroy eine Kommission gebildet, die das künftige Ausbaggern der Elbe zuverlässig regeln sollte.



1854:

Im Jahre 1854 schaffte der erste Blankeneser Reeder auch eines dieser modernen Dampfschiffe an.





1855:

Im Jahre 1855 befanden sich in direkter Linie zwischen dem Bulln und der Este-Mündung Schweinsand und der weit größere Böhaken (Foetsand).



1856:

Im Jahre 1856 kam der Besitz Kösterberg in den Besitz von J. C. Semper, der wertvolle Bäume pflanzen ließ und die Landschaft gestaltete.





1857:

Zu 1857 wurde die Altonaer 'Wasserkunst' auf der höchsten Erhebung Baurs Berg (92,5 Meter) errichtet, der noch zum alten Blankenese gehörte. Im gleichen Jahre soll auch die Westerschule an der Kreuzung Krumdals Weg und Süllbergterrasse gebaut worden sein, die bis 1897 betrieben wurde. Ein ähnlicher Haustyp war das Gebäude an der Elbterrasse 1, in dem ebenfalls eine Schule gewesen sein soll. Bei den Kaufleuten und Reedern um Hamburg gab 1857 es eine schwere Zahlungskrise, die von Godeffroys nur knapp und Dank guter verwandtschaftlicher Verflechtungen durchgestanden werden konnte.





1860:

Heinrich Detlef Rohr übernahm 1860 für 13.000 Courant Mark den Süllbergbetrieb von seinem Schwiegervater Peter Georg Carl Hansen (der ihn seit 1837 besaß, inzwischen 74jährig). Hansens Tochter Berta wurde als Mitbesitzerin eingetragen, und schon bald auch ein hölzerner Aussichtsturm gebaut. Sie führten die dritte Burg auf dem Süllberg, die 'Gastroburg', geschickt zu großem Erfolg, die von seinem Sohn (gestorben 1911) sogar noch erweitert werden konnte.



1862:

Mit Aufkommen der Dampferfischerei gab es 1862 nur noch 60 hiesige Schiffe, denn diese wurden von den Blankeneser mehrheitlich abgelehnt. Am Kiekeberg 22 wurde die erste private Knabenschule erbaut. Im Sommer 1862 machte Johannes Brahms Urlaub bei Familie Joachim Schade, Brandts Weg 3, wo ihn die Berufung nach Wien erreichte. Blankenese also wiedermal als Karriereleiter?





1863:

Im Jahre 1863 erbaute der Besitzer des Gelände des 'Wahsbergs' und späteren Bismarcksteins einen Aussichtsturm. Dänemarks König Friedrich VII. starb unerwartet am 15. November 1863 auf dem schleswigschen Schloss Glücksburg, auf dem er einen Teil des Herbstes zuzubringen pflegte. Mit ihm erlosch die ältere Linie des Hauses, und es folgte ihm der Prinz Christian von Glücksburg als 'König Christian IX von Dänemark, der Wenden und der Gothen, Herzog von Schleswig, Holstein, Stormarn, Dithmarschen, Lauenburg und Oldenburg'. Dieser Umstand wurde auch in Preußen von Bismarck als Gelegenheit für Veränderungen erkannt. Und zumal man bei Krupp neuartige 'Kriegspielzeuge' entwickelt hatte, fühlte sich der alte Taktiker ermutigt zu einem Krieg mit den Dänen, um die Holsteiner zu 'befreien', um die Schmach der Erhebung und der Schlacht bei Idstedt zu tilgen und ein künftiges Deutschland zu vergrößern. Hintergrund: Im 'Londoner Protokoll' von 1852 hatte Dänemark die Anerkennung des Gesamtstaates und die Billigung einer für Dänemark und die Herzogtümer gemeinsamen Erbfolge erreicht, musste sich jedoch gegenüber den beiden deutschen Vormächten Preußen und Österreich verpflichten, eine auf Gleichstellung der Landesteile beruhende Gesamtstaatsverfassung einzuführen und Schleswig volle Autonomie zu gewähren. Das nur wenige Tage nach dem Tod des Königs (am 18. November 1863) verabschiedete dänische Grundgesetz, das einer Annexion Schleswigs gleichkam, löste ein preußisch-deutsches Ultimatum aus.





1864:

Bis 1864 war Glückstadt an der Elbe der Sitz der obersten dänischen Behörden für Holstein, also auch für unser Dörfchen. Erst in unseren Tagen kam heraus, dass König Christian IX. einen Brief an König Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen geschrieben hatte, um mit Gesamt-Dänemark (also auch Schleswig und Holstein) dem Deutschen Bund beizutreten und so zwar deutsch, jedoch ungeteilt zu bleiben. Doch Bismarck hatte abgelehnt, denn er hatte schon genug Probleme, ein Deutsches Reich zu gründen. Nach dem Preußisch-Österreichisch-Dänischen Krieg (offiziell 'Zweiter Schleswig-Holsteinischer Krieg' vom 1. Februar bis 30. Oktober 1864) und der entscheidenen Schlacht an den Düppelner Schanzen (vor Sonderburg) am 18. April wurde Blankenese wie ganz Holstein von Österreich verwaltet, während Schleswig von den Preußen regiert wurde. Es soll eine provisorische Flagge in Blau-Weiß-Rot (mit kleinem gelben Feld im blauen Streifen zur Unterscheidung von der gleichfarbigen mecklenburgischen Flagge) gegeben haben. Die dörflichen Schiffe hier (3 Dreimastschoner, 21 Briggs, 82 Schoner und 48 kleinere Schiffe) fuhren aber teils auch unter Rot-Weiß-Rot auf dem Ozean, obwohl Österreich gar keinen Meerzugang besaß. Wer also heute ein Gemälde mit Rot-Weiß-Rot am Schiff besitzt und sich wundert, weiß, von wann es ist. Etwa die Hälfte aller Schiffe Blankeneses soll unter zehn Jahre alt gewesen sein, das Durchschnittalter bei etwa 15 Jahren gelegen haben. Diese bedeutende Flotte war umso erstaunlicher, als dass es ja keinen Hafen gab, sondern die Schiffe immer auf den Strand mussten. Während der Zeit der preußischen Einquartierung ließ Dr. Nagel durch sein weiter vergrößertes Grundstück den 'Preußenweg' genannten Promenadenweg anlegen, den wir heute über Schinckels Wiese und als Verlängerung unterhalb des Polterbergs (Tabea) kennen. Zu dieser Zeit dürfte auch die Aufschüttung als Damm vom Herrenhaus zur Brücke über den Grünen Weg gebaut worden sein, damit die Herrschaften nicht dem einfachen Volk begegnen mussten, sondern darüber hinweg auf das spätere Bismarcksteingelände kamen. Die Einwohnerzahlen von 1864: 3.526 in Alt-Blankenese und 728 in Dockenhuden.



1865:

Die Gasteiner Konvention wurde am 14. August 1865 in Bad Gastein zwischen Preußen und Österreich unterzeichnet. In dieser Konvention regelten die deutschen Großmächte die Herrschaft über die Elbherzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg, also auch Blankenese. Bereits am 19. August 1865 wurde der Vertrag von beiden Staaten ratifiziert.





1866:

Mit dem Einmarsch der Preußen am 9. Juni 1866 in das von Österreich verwaltete Holstein war Blankenese (wie zuvor bereits Schleswig) nun in preußischer Hand. Nach dem Krieg zwischen den beiden Siegern und der Schlacht von Königgrätz am 3. Juli wurden Blankenese und der Kreis Pinneberg entgültig preußisch. Per Gesetz vom 24. Dezember 1866 annektierten die Preußen Blankenese. 1866 verkaufte Dr. Nagel seinen Besitz an W. A. Noever. Mit dem Friedensschluss vom 23. August in Prag schied Österreich aus dem Deutschen Bund aus. Neben Holstein wurden auch Hannover, Kurhessen, Nassau und Frankfurt nun auch formell durch Preußen annektiert. In diesem Jahr lagen an einem Tag 42 Blankeneser Schiffe im Hafen von Rio de Janeiro, ein Rekord.





Flaggenkunde.

Bis 1864 war der Danebrog "ungespalten mit dem weißen Creutze" mit einem Holsteiner Wappen in der Mitte geflaggt worden. Dr. Johannes Sass dazu: "Bis 1848 wurde ausnahmslos unter dänischer Flagge gefahren. Das wurde anders, als 1848 bis 1951 die schleswig-holsteinische Erhebung die Stellung Dänemarks erschütterte." Zwischen dem 2. Mai und 21. Oktober 1848 setzte man die Flagge Schwarz-Rot-Gold, die Farben des Aufstandes am Hambacher Schloss von 1832, die das Streben nach Freiheit, Bürgerrechten und deutscher Einheit symbolisieren sollten. Als die Kriegswirren vorüber waren, setzte man ab dem 5. März 1851 wieder die dänische Flagge mit einem holsteinischen Nesselblatt in der oberen Ecke. Und als Dänemark seine Herrschaft wieder gefestigt hatte, musste ab 22. Juli 1852 wieder der 'reine' Danebrog geführt werden. Als die dänische Herrschaft in Schleswig-Holstein gebrochen war, verschwand der Danebrog. An seine Stelle trat offziell zwischen 17. Februar 1865 (laut Jürgen Meyer bis 31. März 1868) Blau-Weiß-Rot mit einem im blauem Teil gelbem Feld, um den Unterschied zu Mecklenburg herzustellen, zum Teil mit dem schleswig-holsteinischen Wappen darin. Einige führten zuerst auch die österreichische Flagge, da Holstein von den Österreichern verwaltet wurde. Heinrich Lange notierte in seinem Büchlein 'Blankeneser Schiffe' den Schoner 'Heinrich' (Oestmann) und 'den Dreimastschoner Alerte' (Wilhelm von Riegen) mit österreichischer Flagge und zeigte diese. Chronist Sass weiter: "Als aber 1866 Schleswig-Holstein in den preussischen Staatsverband übernommen wurde, setzten die Blankeneser die preussische Flagge Schwarz-Weiß. Das war aber nur ein Übergang. Mit Gründung des Norddeutschen Bundes im gleichen Jahr ging man zu Schwarz-Weiß-Rot über. Sie wurden auch die Farben des Deutschen Reiches," so dass man einen weiteren Flaggenkauf einsparen konnte.





Also jede Menge Kuddelmuddel, nun vielleicht etwas klarer ... Ach so: Und wer die Mentalität des Blankenesers besser verstehen will, muss beachten, dass es den erst seit 1919 gebräuchlichen Pfahlewer auch mit Danebrog gibt, um die Freiheit von Altona und noch mehr Hamburg zu dokumentieren ... Im Jahre 1866 gab es einen derartig kalten Winter, dass der Bulln-Wirt Friedrich Hülsen ein Zelt auf die glatt zugefrorene Elbe stellte und dort ein Tanzfest veranstaltete.





1867:

Am 19. Mai 1867 wurde die Eisenbahnstrecke Altona - Blankenese mit dem neuen Bahnhof eröffnet. Die ersten Lokomotiven erhielten Namen wie Schiffe, so etwa Elbe, Altona oder Holstein. In einem Wohnhaus am heutigen Kahlkamp wurde das erste Blankeneser Amtsgericht eröffnet.





1868:

Am 20. März 1868 wurde der Fährkrug an den Gastwirt Conrad Wilhelm Sagebiel aus Alferde bei Hameln (1828 - 1888) für 42.000 Taler verkauft, der auch an der Drehbahn zu Hamburg ein Etablissement betrieb. Er baute Sagebiels Treppe, damit die 'Eingeborenen' nicht mehr über sein Gelände laufen mussten/durften.





Der Trichter. Lange Zeit haben wir widerspruchslos geschrieben, dass der hölzerne 'Trichter von St. Pauli', ein bekannter Ausflugsort, angeblich im Jahre 1840 aus Feuerschutzgründen in Hamburg abgebaut, von Gastwirt Hansen günstig gekauft und dann auf dem dänischen Süllberg wieder aufgebaut wurde. Das kann nicht sein, meinen wir. Erstens: Zwei Jahre vor dem großen Brand, der halb Hamburg zerstörte, schon Feuerschutzgründe? Zweitens: Warum sollte ein junges Unternehmen, dass knapp drei Jahre zuvor auf dem Süllberg eröffnet hatte, schon so eine einschneidende Baumaßnahme getätigt haben, während ein Holzpavillion 1837 "von dem Zimmermeister Seedorf auf St. Pauli nach eigenen Plänen" (O-Ton Schulte-Haubrock-Chronik 1987) gebaut worden war? Ob da nicht von dem Seedorf-Bau (weil ebenfalls St. Pauli ansässig) auf den Trichter geschlossen wurde? Eine Werbung angeblich von 1860 sprach von 'Pavillion auf dem Süllberg'. Ein junges Unternehmen, dass erst 1846 überhaupt eine Schankerlaubnis erhalten hatte? Kaum glaubhaft. Otto Schulze grub in einem alten Buch aus, das der hölzerne Trichter erst 1868 auf St. Pauli abgerissen wurde. Ob es der selbe war oder wir einer der Werbe-PR-Maßnahmen von Hansen/Rohr aufgesessen sind? Wer kann helfen?





1870:

Im Jahre 1870 wurde der Schützenhof unterhalb des Krähenberges errichtet, dessen Zugang von der heutigen Straße am Pumpenkamp nach Westen abging. 1870 betrug der Tidenhub der Elbe noch 1,70 m, 2010 waren es bereits 3,60 m.



1871:

Am heutigen Kahlkamp wurde 1871 ein Schulgebäude errichtet. Im Preußisch-Französischen Krieg wurden sieben hiesige Schiffe aufgebracht, bevor das Elbdorf zum neu gegründeten Staat Deutsches Reich gehörte. Die Einwohnerzahlen: Blankenese 3.000, während in Dockenhuden noch 750 Menschen wohnten.





1872:

Eigentlich hatte sich Preußen vertraglich verpflichtet, innerhalb sechs Jahren seit dem Deutschen Krieg mit Österreich auf Druck Frankreichs ein Referendum zur Staatszugehörigkeit der Dänen in Nordschleswig durchzuführen, doch dies war ignoriert worden, denn Frankreich war inzwischen besiegt. Und so blieben die Bezirke Nord-Flensburg, Hadersleben, Sonderburg und Nord-Tondern bis zum 15. Juni 1920 als Rechtsnachfolger Preußens beim Deutschen Reich.





1874:

Bereits 1874 wurde das Baden am Blankeneser Strand erstmalig verboten.



1875:

Auf dem Nachbargrundstück der bisherigen Kahlkampschule wurde ein großer Schulneubau (No. 9) errichtet.





1876:

Das Jahr 1876 gilt als Höhepunkt der Schifffahrt hier, denn man konnte mit 20.000 Registertons (bei 112 Schiffen) glänzen. In diesem Jahr verkaufte Dr. Carl-Hermann Merck (1809-1880), inzwischen Besitzer der ehemaligen Klünder-Besitzungen, seine Latifundien inklusive einer 'Rockery' (damals modische künstliche Felsanlage) an George Heinrich Hesse (1815-1909).



1877:

Hatte es 1877 noch 49 Segelschiff-Reeder mit rund hundert Schiffen gegeben, waren dies drei Jahre später nur noch neun Reeder. Am 3. Juli 1877 wurde vom Kirchspielvogt ein Nacktbadeverbot erlassen, damit sich die Blankeneser nicht von den Fabrikarbeitern aus Altona gestört fühlen sollten.



1878:

Im September 1878 wurde eine gemeinsame Freiwillige Feuerwehr für die beiden Dörfer gegründet.



1879:

Im Jahre 1879 wurde der große Besitz der Godeffroys nach finanziellen Schwierigkeiten aufgeteilt. Casar VI Godeffroy (gest. 1885) verdanken wir die Aufforstungen zwischen Rissen und Iserbrook. Ab diesem Jahr legte der Amtsrichter Kummer das Blankeneser Grundbuch an. Johannes Kröger gründete am 29. November 1879 die 'Norddeutschen Nachrichten' als regionale Zeitung in einer 500er-Auflage.





1880:

Ab 1. April 1880 fuhren täglich zehn Züge nach Altona, aber es gab nur noch neun Reeder im Dorfe. Zwischen 1880 und 1890 ließ Anton Julius Richter den Römischen Garten über dem Falkensteiner Ufer bauen.



1881:

Im Jahre 1881 befanden sich insgesamt vierzehn Schiffe aus Blankenese an der chinesischen Küste.



1882:

Im Jahre 1882 wurde Hans Lange zum Gemeindevorsteher. Im selben Jahr bekamen wichtige Verkehrswege wie Grube, Hauptstraße und Strandtreppe Petroleumlampen, 18 an der Zahl. 1882 wurde mit dem Bau des Amtsgerichts an der Magdalenenstraße begonnen, wo auch das Gefängnis (acht Einzel- plus zwei Gemeinschaftszellen, im Volksmund auch 'Gerkens Hotel' nach dem Wärter Christoph Jacob G. genannt) untergebracht werden sollte, das die Vorgänger am Kahlkamp No. 4 (später No. 27) und Strandweg im späteren 'Strandhof' unterhalb des Fährhauses ersetzen sollte.





1883:

Am 2. Dezember 1883 wurde die erweiterte Eisenbahnstrecke von Blankenese nach Wedel eröffnet. Auch wenn gemutmaßt wurde, dass eine gerade Weiterfahrt nach Wedel (ohne Kopfbahnhof) einen Tunnel unter dem Gosslerpark bedeutet hätte, war zu vermuten, dass auch die Stadtplaner bereits ein Wort mitzureden hatten. Blankenese - (Iserbrook gab es erst ab 31.10.1950) Sülldorf - Rissen - Wedel, der Dampfzug (Teekessel ) fuhr diese Strecke bis zum 20. Mai 1954, erfuhr Dieter Niemann, der auch das Foto schickte.





1884:

Im Jahre 1884 wurde von Matthias Struve die erste und einzige Dampffrachtschiffreederei (bis 1902) gegründet, und die Straßen in Blankenese erhielten offizielle Namen. mehr ...





1885:

Die Einwohnerzahl von Blankenese betrug 1885 insgesamt 3.540 Menschen. Das auf Dockenhudener Gemeindegebiet befindliche Mühlenberg-Tal erhielt von der preußischen Verwaltung für seine Schiffe das Kennzeichen 'SM' wie Schleswig Mühlenberg und die Blankeneser das SB (wie 'sinnig und bedächtig' im Gegensatz zur Konkurrenz aus Hamburg-Finkenwerder 'hurtig und flink'). Die Nummern wurden nach Wegfall des Vorgängers wieder neu vergeben.





1887:

Im Jahre 1887 wurde Blankenese zu einem eigenen Telefon-Ortsnetz. Wer auch nach Altona telefonieren wollte, zahlte hundert Mark extra, für Verbindungen nach Hamburg nochmal weitere fünfzig. 1887 soll der Mühlenberg von Blankenese abgetrennt worden sein und kam zu Dockenhuden. Der Falkenstein von Godeffroy wurde an die Firma Stucken und Andresen verkauft, die über das Gelände Kies abfuhr. In diesem Jahr wurde auch der 'Kaserne' genannte Saalbau mit Galerie für 700 Gäste auf dem Süllberg fertig, dem ein steinerner Turmbau folgen sollte.





1888:

Johannes Andreas Breckwoldt betrieb zu dieser Zeit eine ehemalige Eisenbahnfähre als Flussbadeanstalt, die etwa in Höhe des späteren Knüll-Anlegers festgemacht war und bis 1901 betrieben wurde. Im Jahre 1888 wurde der Luusberg (auch Wahsberg), uns heute als 'Bismarkstein' bekannt, vom Kaufmann A. J. Richter gekauft und das nördlich davon gelegende Gelände von Max Schinckel, der später im Ersten Weltkrieg vom Kaiser geadelt werden sollte. Sagebiels Fährhaus wurde nach dem Tode von Wilhelm S. vom Sohn Ludwig (1862-1823) übernommen. Als Ersatz für den inzwischen zweiten 'Bulln' (ein ausgedientes ehemaliges dänisches Kanonenboot) kam 1888 ein Vorleger, der speziell für diese Zwecke gebaut worden war, für den die Gemeinde einen Kredit von 32.000 Mark aufnehmen musste. In diesem 'Dreikaiserjahr' 1888, in dem Wilhelm I. gestorben und sein Sohn Friedrich III. nur 99 Tage regiert hatte, trat dessen Sohn Wilhelm II. die nächsten dreißig Jahre als deutscher Kaiser an. Diese Epoche wurde 'Wilhelminische Zeit' genannt.





1889:

Als Wahrzeichen des östlichen Strandweges baute Gastwirt Franz Battke auf dem Vorland einen Glaspavillion mit markanten Zwiebeltürmen auf, die er von der Gewerbe- und Handwerksausstellung günstig auf Abbruch erworben hatte. Zum gleichen Jahr wurde auch der gemauerte Aussichtsturm auf dem Süllberg fertig, der einen hölzernen Vorgänger ersetzte, und auch heute noch Freude bereitet. Seit 1863 gab es bereits einen Aussichtstum auf dem Bismarckstein, so dass es Zeit wurde für den Süllberg, einen draufzusetzen. Und der sollte vom Stil her an eine historische Burg erinnern, als ob diese schon immer hier stand. Im gleichen Jahr wurde das Gebäude der heutigen Feuerwehrwache an der Blankeneser Landstraße als Pferdestall und Remise für das Herrschaftshaus in Klünders Park gebaut.





1890:

Die Post baute für seine inzwischen 4.090 (Ehrenberg: 4.122 in 671 Häusern) Einwohner plus Dockenhuden ein eigenes Postamt. Im Jahre 1890 wurde das Gelände 'Wahsberg' offziell zum Bismarckstein umbenannt, auf dem man einen 51-Meter-Denkmal zu Ehren des Eisernen Kanzlers aufstellen wollte.





1891:

Im Jahre 1891 wurden die ersten Arbeiten am Blankeneser Siel begonnen. Gleichzeitig erwarb die Reichspost das heute noch benutzte Gelände an der Kreuzung Auguste-Baur und Bahnhofstraße. Während im gleichen Jahre das Gelände des Hirschparks von Godeffroys aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten an A. E. Wriedt ging, lag das Passierschiff 'Auguste Victoria' lange bei der Ausreise im Eise vor Blankenese fest. Das seit 1830 fällige Chausseegeld an der Elbchaussee wurde 1891 aufgehoben, was sicherlich mit der Teilung der Godeffroy-Besitztümer zu tun hatte. Die 'Elbburg' von Philipp Ludwig Stremmel mit einem gewaltigen Stützwerk an der Elbterrasse erbaut; in den oberen Etagen betrieb er ein Kinderbordell, was dem Gebäude den Namen 'Engelsburg' einbrachte. Das aus einer privaten höheren Mädchenschule entwickelte Lyzeum wurde Ostern 1891 am Hohen Weg 1 unter der Leitung von Marie Tschorn eröffnet.


1892:

Am Bahnhof wurden 1892 wegen der Cholera in Hamburg Kontrollen eingeführt und auf dem Krähenberg eine Cholera-Baracke eingerichtet. Die Bahn nach Altona wurde 1892 zweigleisig ausgebaut. Die 'Höhere Knabenschule' wurde am 10. Oktober 1892 mit 75 Schülern in der ehemaligen Privatschule Jansen Am Kiekeberg (damals noch Parkstraße) No. 22 eröffnet, die vorerst der Kreisschuldirektor Probst Paulen leitete.





1893:

Angeblich 1893 wurde bei Bauarbeiten auf dem Süllberg der 'Schwedenstiefel' aus dem Dreißigjährigen Krieg gefunden, der 1994 bei der Süllberg-Auktion von Udo Keller ersteigert wurde und den er im Jahr darauf dem Fischerhaus stiftete.



1894:

Am 12. Januar 1894 hatte ein Orkan die Uferbefestigung unterhalb Baurs Park mitsamt Gussgitter über mehr als zehn Meter eingerissen. Am 31. Juli 1894 wurde mit Einführung ihres ersten Direktors Dr. Walter Kirschten das heutige 'Gymnasium Blankenese' als Ersatz für die Schule an der Parkstraße 22 eröffnet. Der Neubau enthielt 12 Klassenzimmer.





1895:

Unter Leitung des Achitekten Sahling wurde 1895 die 57,5 Metern hohe Kirche gebaut, die auf einem von den Godeffroys gestifteten Gelände stand. Die Baukosten betrugen 152.000 Mark plus 34.000,- für das erste Pastorat (das zweite kam 1910), die allesamt durch private Spenden aufgebracht wurden, allen voran 'Fräulein' Auguste Caecilie Baur mit 75.000 Mark. J. H. Sibbert wurde zum Gemeindevorsteher gewählt, nach dem die gelben 'Sibbertsteine' benannt wurden. Am 2. September 1895 wurde der Gedenkstein zusammen mit einer Friedenseiche an der Kreuzung Westerstraße und Bahnhofstraße aufgestellt. In dieses Jahr wurden exakt 4.099 Einwohner in 655 Häusern (1.077 Haushaltungen) in Alt-Blankenese notiert. Die Zahl der Häuser war stets kleiner als die der Haushalte, weil es viele Doppelhäuser und 'Häuslinge' ohne eigenes Grundstück gab. Im gleichen Jahr wurde auch die Anlegebrücke 'Süllberg' vor dem Krumdal angelegt, die bis 1926 bestand. Die S-Bahn nach Altona wurde 1895 zweigleisig angelegt.





1896:

Am 19. August 1896 wurde die neue Kirchen eingeweiht. Johann Heinrich Schuldt gründete 1896 eine Fischdampfreederei mit den Schiffen 'Blankenese' und Falkenstein', die mit seinem Tode 1903 wieder einging.





1897:

Im Jahre 1897 wurde Pepers Diek oberhalb des Mühlenberger Tales zugeschüttet, nur ein Straßenname erinnerte noch daran. Den Sand dafür stellte der Bau des Hohlweges Mühlenberg, während die Mühlenberger bis dahin über die Panzerstraße in ihr Tal gekommen waren. Zu dieser Zeit kamen die Schüler der Westerschule ebenfalls in der Kahlkamp-Erweiterung unter.





1897:

Nach dem Abbrennen von M. Piepers Gastwirtschaft kaufte die Gemeinde den heutigen Marktplatz für 80.000 Mark und nannte ihn offiziell Lornsenplatz (nach dem Anstifter der 48er-Erhebung Uwe Jens L.) und parzellierte ihn in sieben Grundstücke zur Bebauung. Weil sie aber den geforderten Preis nicht erbrachten, behielt Blankenese den Platz. Der Bankier Warburg kaufte in diesem Jahre seinen Besitz an der Kösterbergstraße. 1897 wurde von Richard Ehrenberg das erste Buch über das historische Blankenese herausgebracht. Scheinbar hatte dieses kleine Dorf etwas ganz besonderes, denn dieses Phänomen das Heimatbewusstseins gab 1897 sonst kaum. "Meine Arbeit möge von Blankenesern fortgesetzt und ergänzt werden," bat Ehrenberg damals. Aber gern ...



1898:

Nach einem Gottesdienst am 24. März 1898 wurde vom Communalverein eine Doppeleiche zum 50sten Jahrestag der Holsteinischen Erhebung auf dem Pieperschen Dreieck (heute Lornsenplatz) gepflanzt. H.D. Rohr lud die 39 noch überlebenden Veteranen auf ein Gastmahl zum Süllberg ein. Am 17. September 1898 wurde der BSC gegründet, und im gleichen Jahr passierte das erste Automobil den Ort. Die Neuzeit grinste um die Ecke ...





1899:

Ab 26. August 1899 gab es es eine elektrische Straßenbahn von Altona (Fischers Allee) her, deren Reste ich heute noch im Pflaster der Bernadotte-Straße zu erkennen glaube. Hier deren Ende am Lokal 'Zur Johannisburg' (Ecke Mühlenberger Weg/Elbchaussee). Im Hintergund rechts die Apotheke.





1900:

Mit Beginn des neuen Jahrhunderts wurde an der Rosenstraße für 495.000 Mark ein Elektrizitätswerk erbaut und Blankenese wie auch das noch eigenständige Dockenhuden elektrifiziert. Der hiesige Buchhändler Carl Roth, auch als Feuerwehrhauptmann bekannt, setzte sich für eine Art Heimatmuseum ein und stellte um die Jahrhundertwende die ihm anvertrauten Gegenstände in einem geschlossenen Raum neben der Turnhalle unterhalb der Kegelbahn von Krögers Hotel aus, wo sie aber zum großen Teil durch ein Feuer zerstört wurden. Und was nicht verbrannte, soll gestohlen worden sein wie seit alten Zeiten das Strandgut. "Die noch gerettenen Gegenstände sind schon zwanzig Jahre in einem Schrank auf dem Boden der hiesigen höheren Mädchenschule, wo sie wohl sobald nicht aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen," so Heimatforscher Gustav Kirsten später sehr bitter. Am 12. Oktober 1900 erlaubte der Gemeinderat dem Dockenhudener G. Gätgens, den von ihm bezahlten Felsblock als Erhebungsdenkmal auf dem Lornsenplatz aufzustellen. Das 12-Tonnen-Koloss wurde mit 10 Pferden und 30 Arbeitern an den Bestimmungsort gebracht und dem Steimetz Holländer die Gravur übertragen. Die Einwohnerzahlen von 1900: 4.736 in Alt-Blankenese und 2.685 in Dockenhuden.



1901:

Nach dem Bau der evanglischen Kirche wurde ein 0,4-ha-Gelände von Ellerbrock angekauft. Auf der Gemarkung Sülldorf eröffnete Probst Paulsen am 20. April 1901 den Blankeneser Friedhof.





1902:

Im Jahre 1902 wurde ein Wahrzeichen des Strandweges gebaut, C. Behrmanns Strandhotel. Zur gleichen Zeit wurde das letzte Blankeneser Segelschiff verkauft, die 'Lita' von HNA Meyer. Es wirkte so, als ob sich der bisherige Fischerort unterhalb des Bauerndorfes Dockenhuden um die Jahrhundertwende zu einem Naherholungsgebiet wandelte. Bis 1902 gehörte Blankenese friedhofsmäßig zu Nienstedten, und nun war der Kirchenkreis Blankenese komplett.



1903:

Im Jahre 1903 wurde eine Filiale der Westholsteinischen Bank an der Stelle des heutigen Bankenviertels eröffnet, deren Direktor der spätere Bürgermeister Heinrich Frahm war. Auf dem Süllberg wurde der Kreuzbau gebaut.



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1904:

Im Jahre 1904 entstand die Knüll-Uferanlage mit Ballustrade, angeblich vom Schlosser Fiete Breckwoldt angefertigt.



1905:

Im Jahre 1905 wurde Blankenese zum Postamt erster Klasse und der 'Verein Blankenese-Dockenhuden' gegründet, dessen Ziel die Zusammenführung der beiden Dörfer war. Zu Ostern dieses Jahres konnte auch der Neubau des Lyzeums an der Lindenstraße 3 bezogen werden.



1906:

Am 18. Januar 1906 wurde das Landrat-Scheiff-Krankenhaus an der Schenefelder Landstraße (nördlich Holtkamp auf dem heutigen Bundeswehr-Gelände) eröffnet, bis dahin eigentlich noch Dockenhudener Geschichte.





1907:

Wilhelm Iven hatte die alte Halle der Mühlenberger Maschinenfabrik gekauft und 1907 zum Elbkurhaus umgebaut. In diesem Jahre wurde der Strandweg offziell als 'Uferwohnweg' ausgewiesen. Im Jahre 1907 war die Schülerzahl des 'Realgymnasiums' an der Lindenstraße auf 338 gewachsen, so dass ein Erweiterungsbau mi 18 Klassenzimmern nötig war, den man bis zu 600 Schülern auslegte.



1908:

Die Vorortbahn wurde am 29 Januar 1908 elektrifiziert, so dass die S-Bahnzüge von Blankenese bis Ohlsdorf fahren konnten.





1910:

Das Gelände um den Bismarkstein wurde am 1. April 1910 für 175.000 Mark als erster Gemeindepark von der Gemeinde erworben und ein Gedenkstein an der Waseberg-Kreuzung (damals noch Grüner Weg) aufgestellt. Im gleichen Jahr kaufte Max Ostermann das 1850 erbaute ehemalige Zollhaus am Strandweg. Im Oktober 1910 gab es eine Brandserie am Strandweg, woraufhin der Amtsvorsteher Freytag eine Belohnung von 500,- zur Ergreifung des Täters ausssetzte. Ab dieser Zeit wurden die elektrischen Straßenlaternen brennen gelassen, weil die Brände zwischen 2:30 und 4:30 entstanden waren. Die Einwohnerzahl von Blankenese lag bei 5.610, in Dockenhuden nochmal 5.010 dazu.





1911:

Zwischen dem 12. August 1911 und dem 1. August 1914 wurde ein gleisloser Elektro-Omnibus zwischen dem Bahnhof und Marienhöhe (über die heutige Anne-Frank-Straße, ehemals Frenssenstraße und Fritz-Reuter-Straße) eingerichtet, um die neue Villenkolonie zu bedienen. Der begeisterte Chronist Gustav Kirsten ging im Winter (O-Ton: "energisch") von Haus zu Haus, um ein 'Altertumsmuseum' zu erbetteln, doch wurde von den Blankenesern meist desinteressiert abgewiesen. Nach zehn harten und teils enttäuschenden Wochen hatte der erst 1897 zugezogene enthusiastische Heimatforscher jedoch 16 Geschenklisten zusammengebracht. Eine Frau Wernitsch vererbte daraufhin 28.000 Goldmark (notariell beurkundet) objektbezogen für ein Heimatmuseum, doch die Gemeinde bezahlte davon lieber Parks. Las man die Ausführungen von Gustav Kirsten, so schien er recht enttäuscht von den Blankenesern, die so gar nichts für die Dokumentation ihrer Geschichte übrig hatten. "Echte Blankeneser sind nur die, die hier auch langfristig wohnen und das Dorf aktiv erhalten wollen," sagte ein Zeitgenosse. Das gilt heute noch, denn 'Quittjes' waren lediglich Leute, die eine Art Quittung an einem der Hamburger Tore erhielten, weil sie keine Bürger der Stadt waren und nicht dort bleiben durften. Der verdiente Gustav Kirsten wollte einen Gemeindepark Bismarckstein mit einem Freilichtmuseum, das sich selbst tragen sollte, damals mit Seilbahn und Aussichtsturm als Attraktivitäten, modern und fortschrittlich wie das Tivoli in Kopenhagen. Doch auch er wurde schon gefragt, was er denn davon gehabt hätte: "Deshalb rufe ich der Gemeinde zu: 'Heiß up dat Grotseil up den Pfahlewer, Bull Bries kümmt ut Hamburg un Altona! Hiev Anker.'" Im Jahre 1911 wurde aus dem ehemals privaten Lyzeum eine öffentliche Gemeindeschule.





1912:

Von Gustav Kirsten kam 1912 ein großes engagiertes Buch mit dem Namen '200 Bilder aus Alt Blankenese' heraus. Am 23. August brannte der Schützenhof ab, der an der heutigen Anne-Frank-Straße / Ecke Landstraße unterhalb des Krähenberges gestanden hatte. Im Herbst des gleichen Jahres wehte ein Sturm die markanten Zwiebeltürme des Schifferhauses herunter. Max Ostermann nannte sein inzwischen aus zwei Häusern bestehendes Gasthaus 'Elblust' in 'Zum alten Lotsenhaus' um und baute elbwärts einen Pavillion. 1912 wurde die 'Elsabe' (SB 66 von Christian Röttger) von dem Postdampfer 'Format' versenkt, später von Harmstorf geborgen und auf den Strand am Falkensteiner Ufer gesetzt.





1913:

Im Jahre 1913 wurde der Blankeneser Verschönerungsverein gegründet.





1914:

Im Jahre 1914 wurde das Kohlenlager (von Mählmann) vom Blankeneser Segelclub BSC übernommen. Der Aufenthalt am Strande war zu dieser Zeit nur in 'Straßenverkehrskleidung' zulässig. Nach dem Aubruch des Ersten Weltkrieges wurde ein Teil der dortigen Bevölkerung nach Blankenese umgesiedelt.





1915:

Im Kriegsjahr 1915 wurde in einer Halle am Strand das Modell eines Blankeneser Pfahlewers "zum Besten des Rotes Kreuzes" benagelt. Jeder Nagel wurde nach seiner Größe bezahlt. Ein 'Kriegswahrzeichen' von Gemeindevorsteher J. H. Sibbert als Urkunde herausgegeben: "Zur Erinnerung an die Ruhmestaten des deutschen Volkes, das gegen eine Welt von Feinden sich behauptet, der größten Übermacht, die je gegen ein Land aufgeboten, siegreich getrotzt, zum Besten der Wunden, welche der Krieg geschlagen, wird dieses Kriegswahrzeichen geschaffen, dem durch Einschlagen eiserner Nägel eine eiserne Wehr gegeben werden soll." Welch große Worte des Herrn Sibbert und dazu eine Art Logo mit dem Pfahlewer darauf. "Ein kühnes Geschlecht hat vor langen Jahren dieses schlichte Fahrzeug ersonnen und damit den Grund gelegt zu der späteren Bewunderung erweckender Blankeneser Fischer und Schifferflotte. So knüpfet das Wahrzeichen, das Bild des im 18. Jahrhundert entstandenen Pfahlewers, Vergangenheit und Gegenwart, ist ein Sinnbild eisenharter Zeiten, kühner Männer, großer Taten, warmherzigen Opfersinns. Diesen Opfersinn bestätigte auch der Inhaber dieser Urkunde." Chronist Gustav Kirsten zeigte dann eine Urkunde für E.&L. Friedrich. Es klang ein wenig nach Kriegsanleihe, scheint aber der erste Einsatz des Pfahlewers als Identifikation des Dorfes gewesen zu sein, auch als Zeichen des alten Blankenese in Hinsicht auf einen Zusammenschluss mit Dockenhuden. Also ein weitsichtiger Blick des alten Gemeindevorstandes J. H. Sibbert ...





1916:

Für Dockenhuden und das Jahr 1916 notierte des Chronist Gustav Kirsten die Dockenhudener Bank als Kriegswahrzeichen: "Des Reiches Aar gewann aufs neu

Mit seiner Bundsgenossen Treu

Und deutscher Stämme Einigkeit

Viel Ruhm und Ehr' für alle Zeit.

Fest Schleswig-Holsteins Mannschaft stand

Im Schlachtengraus fürs Vaterland,

Und der sein Blut vergossen hat,

Erwarb hier eine Ehrenstatt.

Wer in der Heimat sich erbot,

Zu lindern Sorg' und Kriegsnot,

Schlug einen Nagel hier hinein,

So jung wie alt und groß wie klein.Nun wirk' es Jahre sonder ZahlAls Dockenhudens Kriegsmal!"Gustav Kirsten erzählte, dass beide Bänke später im Gemeindehaus (Gosslerhaus) auf der Diele im ersten Stock standen.





1917:

Im Jahre 1917 verstarb der Gemeindevorsteher Johann Heinrich Sibbert, dem die Bürger im Gemeindepark einen Gedenkstein mit Blick auf Süllberg setzten. Überhaupt spielte sich früher dort mehr ab als heutzutage. Dass man auf den Stein den Wortlaut 'der letzte Gemeindevorsteher' meißelte, war nur an dem Wort 'Alt-Blankenese' zu verstehen, denn der neue 'Häuptling' von nunmehr 'Neu-Blankenese' sollte Frahm heißen und aus Dockenhuden kommen.



1918:

Das Deutsche Reich wurde nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg für die Zeit seiner demokratischen Phase von 1918/19 bis 1933 als 'Weimarer Republik' bezeichnet. Diese Epoche begann mit der Novemberrevolution und der Ausrufung der Republik am 9. November 1918 sowie mit der Verabschiedung der Weimarer Verfassung am 11. August 1919. Während dieser Zeit war das Reich ein demokratischer Bundesstaat, eine Mischform aus präsidialem und parlamentarischem Regierungssystem. Ihren Namen erhielt die erste auf nationalstaatlicher Ebene verwirklichte deutsche Republik nach der thüringischen Stadt Weimar, dem Tagungsort der verfassunggebenden Nationalversammlung. Sie endete mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 und der darauf folgenden Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur.



1919:

Am 19. März 1919 erfolgte der lange zuvor angedachte Zusammenschluss der beiden Dörfer Blankenese und Dockenhuden, über den man schon vor dem Kriege verhandelt hatte. Zuvor hatten sich bereits Mühlenberg und Dockenhuden zusammengeschlossen. Nun hießen die drei Dörfer zusammen Blankenese.




MEHR: Die Chronik Neu-Blankeneses Teil 2 ab 1919 finden Sie hier ...







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